
Blut Spenden: Voraussetzungen und Vergütung
Jeder kann plötzlich darauf angewiesen sein – und doch zögern viele: Blutspenden rettet Leben, aber die Regeln, die Vergütung und die Frage, ob man selbst überhaupt spenden darf, sind oft unklar. Dieser Leitfaden zeigt, wer Blut spenden kann, was Sie dafür bekommen (oder eben nicht) und welche gesundheitlichen Hürden es gibt – mit konkreten Zahlen und offiziellen Quellen.
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Aufwandsentschädigung für Blutspende in Deutschland: kein Geld, nur kleine Anerkennungen ·
Erstspender-Alter in Deutschland: in der Regel 18–60 Jahre
Kurzüberblick
- Mindestalter 18 Jahre (BIÖG Blutspende – offizielle Richtlinien)
- Gewicht mindestens 50 kg (DRK-Blutspendedienst West – Voraussetzungen)
- Gesundheitsfragebogen (Stiftung Gesundheitswissen – Ablauf)
- Hämoglobin-Test vor jeder Spende (BRK-Blutspendedienst – Untersuchung)
- Vollblut: keine Bezahlung (DRK-FAQ – Unentgeltlichkeit)
- Plasma: 20–40 € pro Spende (Haema – Aufwandsentschädigung)
- Marktpreis: bis 390 €/Liter (Uni.Blutspendedienst OWL – Kosten)
- Aktive Infektionen (HIV, Hepatitis) (BRK – Ausschlussgründe)
- Chronische schwere Erkrankungen (DRK-FAQ – Krankheiten)
- Schwangerschaft (NDR Ratgeber – Schwangerschaft)
- Frisch tätowiert / operiert (BRK – Rückstellung)
- Vollblut: max. 6x (Männer), 4x (Frauen) pro Jahr (BRK – Spendeintervalle)
- Plasma: bis zu 60x pro Jahr (Haema – Plasmaspende)
Sechs Fakten zur Blutspende in Deutschland, die das System zwischen Ehrenamt und Wirtschaftlichkeit zeigen:
| Blutspenden in Deutschland jährlich | ca. 7,5 Millionen Spenden |
| Alter der Erstspender | 18–60 Jahre |
| Abstand zwischen Vollblutspenden | 56 Tage |
| Aufwandsentschädigung Plasma pro Spende | 20–40 Euro (variiert) |
| Marktpreis für 1 Liter Blut (Krankenhaus) | bis zu 390 Euro |
| Mindestgewicht | 50 kg |
Wie viel Geld bekomme ich für Blutspenden?
Die kurze Antwort: Für Vollblutspenden in Deutschland gibt es keine Geldzahlung. Das DRK betont: „Blutspenden ist eine freiwillige, unentgeltliche Hilfe” (DRK-Blutspendedienst West – offizielles Statement). Stattdessen erhalten Spender kleine Aufmerksamkeiten wie Verpflegung oder Gutscheine. Anders sieht es bei Plasmaspenden aus: Hier zahlen private Anbieter wie Haema eine Aufwandsentschädigung von pauschal 25 Euro pro Spende (Haema – Vergütungsmodell). Der Uni.Blutspendedienst OWL nennt für Plasmapherese 23,00 Euro (Uni.Blutspendedienst OWL – Preisliste). Die Differenz zum Marktpreis ist enorm: Ein Liter Blut kostet im Krankenhaus bis zu 390 Euro – der Spender sieht davon nichts.
Was ist der Unterschied zwischen Blut- und Plasmaspende?
- Bei der Vollblutspende wird Ihnen etwa 500 ml Blut abgenommen – das dauert rund 10 Minuten.
- Bei der Plasmaspende (Apherese) wird Ihr Blut zentrifugiert, das Plasma aufgefangen und die restlichen Blutbestandteile werden zurückgeführt. Das dauert 30–60 Minuten.
Die Aufwandsentschädigung für Plasma ist deshalb höher, weil der Prozess aufwändiger ist und regelmäßigere Spenden möglich sind.
Warum gibt es keine Vergütung für Vollblutspenden?
Deutschland setzt auf das Prinzip der freiwilligen und unentgeltlichen Spende – das Transfusionsgesetz erlaubt keine Bezahlung für Vollblut. Der Gesetzgeber will verhindern, dass finanzielle Anreize die Sicherheit der Blutprodukte gefährden. In der Schweiz ist das anders: Dort erhalten Spender teilweise eine kleine Entschädigung, aber keine direkte Bezahlung für Blut.
Welche Voraussetzungen muss man für die Blutspende erfüllen?
Altersgrenzen für die Blutspende
Die Basis bilden Mindestalter, Gewicht und Gesundheitszustand. Seit 2023 gibt es in Deutschland keine obere Altersgrenze mehr, aber über 60-Jährige müssen alle fünf Jahre ärztlich geprüft werden (Stiftung Gesundheitswissen – Altersregelung).
Allgemeine Gesundheitskriterien
Konkret: Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, 50 kg wiegen, einen gültigen Personalausweis mitbringen und den Gesundheitsfragebogen wahrheitsgemäß ausfüllen. Der DRK-Blutspendedienst West verlangt zusätzlich ein Dokument mit Lichtbild (DRK-FAQ – Ausweis).
Vor jeder Spende werden Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Hämoglobinwert gemessen. Wer krank ist oder Medikamente nimmt, wird zurückgestellt.
Wer chronisch krank ist, fliegt oft durchs Raster – obwohl viele mit Typ-2-Diabetes unter bestimmten Bedingungen spenden dürfen, ist Typ-1-Diabetes nach DRK-Richtlinien ein Ausschlussgrund (DRK – Diabetesregelung). Die Entscheidung liegt letztlich beim Arzt vor Ort.
Kann man mit Rheuma Blutspenden?
Welche entzündlichen Erkrankungen schließen aus?
Hier kommt es auf die Art der Erkrankung an. Bei einer aktiven, entzündlichen rheumatischen Erkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis) besteht in der Regel ein Ausschluss oder eine Rückstellung. Anders bei Arthrose (Verschleiß): solange keine Entzündung vorliegt und die eingenommenen Medikamente die Blutqualität nicht beeinflussen, ist eine Spende meist möglich.
Arthrose vs. rheumatoide Arthritis
Die endgültige Entscheidung trifft der Arzt vor Ort – die Blutspendedienste haben leichte Spielräume. Unser Tipp: Im Zweifel vorher anrufen oder die FAQ des jeweiligen Dienstes checken.
Arthrose-Patienten, die nur gelegentlich Schmerzmittel nehmen, können oft spenden. Rheuma-Patienten mit Immunsuppressiva sind jedoch meist ausgeschlossen – fragen Sie konkret nach dem Medikament.
Welche Leute dürfen kein Blut spenden?
Das Transfusionsgesetz und die Richtlinien der Bundesärztekammer legen fest, wer dauerhaft oder vorübergehend ausgeschlossen ist.
Vorübergehende Rückstellungsgründe
- Tätowierung oder Piercing: 4 Monate Rückstellung (BRK – Tätowierung)
- Operationen: je nach Eingriff 4 Monate
- Reisen in Risikogebiete (z. B. Malaria, West-Nil-Virus): 4–6 Monate nach Rückkehr (NDR – Reiserückstellung)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Nach bestimmten Impfungen: 1 Tag (Grippe, Tetanus) bis 4 Wochen (Mumps, Masern, Röteln) (DRK – Impfrückstellung)
Dauerhafte Ausschlussgründe
- HIV, Hepatitis B oder C (BRK – Infektionen)
- Krebserkrankungen
- Blutgerinnungsstörungen
- Schwere chronische Erkrankungen (z. B. aktive Autoimmunerkrankungen)
Die Listen sind lang – aber nicht jeder Ausschluss gilt für immer. Bei Unsicherheit lohnt der Anruf beim Blutspendedienst.
Wie oft kann man Blut spenden?
Wie oft ist Blutspenden gesund?
Die Häufigkeit hängt vom Geschlecht und der Spendeart ab. Für Vollblut gilt: Männer dürfen maximal 6 Mal pro Jahr spenden, Frauen 4 Mal. Der Abstand muss mindestens 56 Tage betragen (BRK – Spendeintervall). Bei Plasmaspenden ist die Frequenz höher: bis zu 60 Mal pro Jahr, mit einem Abstand von 3 bis 14 Tagen.
Abstand zwischen den Spenden
Wer zu oft spendet, riskiert Eisenmangel. Der Körper braucht Zeit, um den Hämoglobinwert wieder aufzubauen – deshalb sind die Abstände nicht willkürlich, sondern medizinisch begründet.
Upsides
- Kostenloser Gesundheitscheck (Blutdruck, Hämoglobin, Infektionsscreening)
- Gutes Gefühl, Leben zu retten
- Kleine Anerkennungen (Verpflegung, Gutscheine)
- Plasmaspende bringt Aufwandsentschädigung (20–40 Euro)
Downsides
- Keine Bezahlung für Vollblut – trotz hohem Marktpreis
- Zeitaufwand (Anfahrt, Wartezeit, Spende)
- Mögliche Nebenwirkungen (Kreislauf, Bluterguss)
- Viele Ausschlusskriterien schließen aus
Wie läuft eine Blutspende ab? – Schritt für Schritt
- Anmeldung und Ausweiskontrolle – Personalausweis oder Reisepass mit Lichtbild nötig.
- Gesundheitsfragebogen – Wahrheitsgemäß ausfüllen, Angaben zu Krankheiten, Medikamenten, Reisen.
- Ärztliche Untersuchung – Blutdruck, Puls, Temperatur, Hämoglobintest (Fingerpieks).
- Die Blutspende – 450–500 ml Vollblut werden in etwa 10 Minuten abgenommen.
- Ruhepause – 10–15 Minuten liegen, etwas essen und trinken.
- Nachsorge – Am Tag der Spende nicht schwer körperlich arbeiten, kein Sport, ausreichend trinken.
Diese Schritte gelten für die meisten Blutspendedienste in Deutschland – ob DRK, BRK oder universitäre Einrichtungen.
Bestätigte Fakten und was unklar bleibt
Bestätigte Fakten
- In Deutschland wird Vollblutspende nicht vergütet. (DRK-FAQ – Unentgeltlichkeit)
- Plasmaspenden erhalten eine Aufwandsentschädigung. (Haema – Vergütungsmodell)
- Ausschlusskriterien sind durch das Transfusionsgesetz geregelt. (BRK – Gesetzesgrundlage)
Was unklar ist
- Exakte Höhe der Aufwandsentschädigung variiert je nach Einrichtung.
- Ob Arthrose immer erlaubt ist – abhängig von Medikation und Entzündungsstatus.
„Blutspenden ist eine freiwillige, unentgeltliche Hilfe.”
– DRK-Blutspendedienst West (offizielle FAQ)
„Die Aufwandsentschädigung für Plasmaspenden ist eine Anerkennung für Zeit und Aufwand.”
– Octapharma Plasma (zitiert nach Haema – Vergütungsmodell)
Für Spender in Deutschland ist die Botschaft klar: Vollblut bleibt unvergütet, Plasma bringt eine kleine Anerkennung. Wer sich für die Spende entscheidet, sollte die Voraussetzungen prüfen – und sich bewusst sein, dass sein Blut im Krankenhaus teuer gehandelt wird. Der Altruismus des Systems steht im Kontrast zum Marktwert. Für den einzelnen Spender heißt das: Spenden aus Überzeugung, nicht aus Profit.
Häufig gestellte Fragen
Ist Blutspenden gesund?
Ja, für gesunde Erwachsene ist die Spende unbedenklich. Der Körper gleicht den Verlust schnell aus. Regelmäßige Spenden können sogar den Eisenhaushalt positiv beeinflussen.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Selten: Kreislaufprobleme, Schwindel, Bluterguss an der Einstichstelle. Trinken und Ruhe helfen. Ernsthafte Komplikationen sind extrem selten.
Was wird bei der Blutspende getestet?
Vor der Spende: Hämoglobinwert. Nach der Spende: Blutgruppe, Antikörper, Infektionsmarker (HIV, Hepatitis, Syphilis u.a.). Sie erhalten keine individuelle Diagnose, bei Auffälligkeit werden Sie benachrichtigt.
Wie bereite ich mich auf eine Blutspende vor?
Ausreichend trinken (1,5–2 Liter), normal essen, auf Alkohol verzichten, ausgeruht erscheinen. Eine leichte Mahlzeit vorher ist empfehlenswert.
Darf ich nach einer Tätowierung Blut spenden?
Ja, nach einer Rückstellungsfrist von 4 Monaten – sofern das Studio hygienisch arbeitet und keine Komplikationen auftraten.
Kann ich Blut spenden, wenn ich Medikamente nehme?
Das hängt vom Medikament ab. Viele Präparate (z. B. Blutdruckmittel, Schilddrüsenhormone) sind kein Problem. Andere (Immunsuppressiva, bestimmte Antibiotika) führen zur Rückstellung. Am besten vorher den Arzt fragen.
Gibt es eine Altersobergrenze für Blutspenden?
Seit 2023 nicht mehr. Über 60-Jährige müssen aber alle fünf Jahre ärztlich überprüft werden. Bei Wiederholungsspendern sind Spenden bis 68 Jahre und älter möglich.