Der Tod von Ulrike Meinhof in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim am 9. Mai 1976 ist bis heute von Kontroversen umgeben: War es Suizid oder Fremdeinwirkung? Die offizielle Version spricht von Selbstmord durch Erhängen – doch Zweifel halten sich.

Geburtsdatum: 7. Oktober 1934 | Todesdatum: 9. Mai 1976 | Bekannt als: Mitbegründerin der Rote Armee Fraktion (RAF) | Beruf: Journalistin und radikale Linke | Ort des Todes: Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim

Ulrike Meinhof

  • Geboren 1934 in Oldenburg
  • Journalistin und RAF-Mitbegründerin
  • Gestorben 1976 in Stammheim

Todesnacht von Stammheim

  • Nacht vom 8./9. Mai 1976
  • Vier Tote: Meinhof, Baader, Ensslin, Raspe
  • Eine Überlebende: Irmgard Möller

Kontroversen

  • Suizid oder Mord?
  • Internationale Untersuchungen
  • Bis heute nicht abschließend geklärt

Schlüsselfrage

  • Offizielle Todesursache: Erhängen
  • Frühe politische Einordnung vor Obduktionsende
  • Zweifel an der Version bleiben bestehen
Kernfakten zu Ulrike Meinhof
Merkmal Angabe Quelle
Vollständiger Name Ulrike Marie Meinhof Wikipedia (DE)
Geburtsort Oldenburg (Oldb) LeMO / HdG
Todesort Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim SWR
Mitglied der RAF 1970–1976 LeMO / HdG
Bekannte Veröffentlichungen Kolumnen für die Zeitschrift konkret Wikipedia (DE)

Was geschah mit Ulrike Meinhof?

Frühes Leben und Karriere als Journalistin

Ulrike Meinhof wurde am 7. Oktober 1934 in Oldenburg geboren. Sie arbeitete als Journalistin für die Zeitschrift konkret und schrieb scharfe politische Kolumnen. Ihre Radikalisierung begann in den 1960er Jahren, als sie sich der außerparlamentarischen Opposition anschloss.

Radikalisierung und Gründung der RAF

1970 beteiligte sie sich an der Befreiung von Andreas Baader und stieg in den bewaffneten Kampf ein. Sie wurde Mitbegründerin der Roten Armee Fraktion (RAF). 1972 wurde sie verhaftet und inhaftiert.

Verhaftung und Inhaftierung

Am 15. Juni 1972 wurde Meinhof in Hannover festgenommen. Der Stammheim-Prozess gegen die RAF-Führung begann 1975. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1976 wurde sie tot in ihrer Zelle aufgefunden.

Das bedeutet: Ulrike Meinhofs Leben verlief von einer angesehenen Journalistin zur radikalen Terroristin – und endete unter ungeklärten Umständen im Gefängnis.

Was ist die Todesnacht von Stammheim?

Hergang der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1976

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1976 starb Ulrike Meinhof in ihrer Zelle Nummer 719 in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Der Körper wurde mit einem aus Handtuchstreifen gefertigten Strick am Fenstergitter aufgefunden. Ein Gefängnisarzt stellte wenige Minuten nach dem Fund den Tod fest.

Offizielle Todesursache

Die offizielle Deutung lautete auf Selbstmord durch Erhängen. Die Obduzenten Rauschke und Mallach kamen zum Ergebnis „Tod durch Strangulation“ beziehungsweise „Selbstmord durch Erhängen“. Die Gefängnisleitung und die Landesregierung Baden-Württemberg bewerteten den Tod als Suizid, noch bevor die vollständige Obduktion abgeschlossen war.

Kontroversen und Zweifel an der offiziellen Version

Zweifel an der offiziellen Version speisen sich aus dem Umstand, dass der Tod politisch bewertet wurde, bevor alle forensischen Schritte abgeschlossen waren. Die überlebende Irmgard Möller behauptete später, es habe sich um Exekutionen gehandelt. Internationale Untersuchungen und Verschwörungserzählungen halten die Diskussion bis heute am Leben.

„Die Tode in Stammheim waren keine Suizide, sondern Exekutionen.“ – Irmgard Möller, überlebendes RAF-Mitglied

Waren Ensslin und Baader ein Paar?

Beziehungsstatus zwischen Gudrun Ensslin und Andreas Baader

Gudrun Ensslin und Andreas Baader waren ein Paar. Sie galten als das Führungsduo der ersten RAF-Generation. Ensslin hatte ein Kind von einem anderen Mann, nicht von Baader.

Rolle in der RAF-Hierarchie

Ensslin und Baader waren die zentralen Figuren der RAF. Sie planten gemeinsam Aktionen und waren die Köpfe der Organisation. Ihre Beziehung war sowohl privat als auch politisch eng.

Wer überlebte die Todesnacht von Stammheim?

Schicksal der anderen inhaftierten RAF-Mitglieder

In der Nacht vom 18. Oktober 1977 – der sogenannten „Todesnacht von Stammheim“ – starben Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Irmgard Möller überlebte einen Stich in die Brust. Die offizielle Darstellung spricht von einem kollektiven Suizid.

Irmgard Möller überlebte

Möller wurde schwer verletzt in ihrer Zelle gefunden. Sie überlebte und widersprach zeitlebens der Suizidthese. Sie sprach von Mord.

„Die Ermittlungen haben ergeben, dass kein Fremdverschulden vorliegt.“ – Staatsanwaltschaft Stuttgart (Auszug aus der offiziellen Stellungnahme)

Wie hat sich Ulrike Meinhof umgebracht?

Methode des Suizids

Laut offizieller Darstellung erhängte sich Ulrike Meinhof an einem Fenstergitter ihrer Zelle mit einem Handtuch. Der Zeitpunkt wird auf etwa 4:30 Uhr morgens eingeschätzt.

Gegenstände und Umstände

Aus Handtuchstreifen war ein Strick gefertigt. Der Strick wurde am Fenstergitter befestigt. Die genauen Umstände sind bis heute umstritten – insbesondere die Frage, ob die notwendigen Vorrichtungen (Ringe am Gitter) vorhanden waren.

Wichtig: Die offizielle Version wird von vielen Experten angezweifelt. Die Beweislage lässt keine eindeutige Schlussfolgerung zu.

Was ist aus Gudrun Ensslins Sohn geworden?

Felix Ensslin – Kindheit und Erwachsenenleben

Felix Ensslin ist der Sohn von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper. Er wurde 1968 geboren. Nach dem Tod seiner Mutter 1977 kam er zu Pflegeeltern. Er wurde später Professor für Philosophie und Medientheorie.

Verhältnis zur Mutter und zur RAF-Vergangenheit

Felix Ensslin hat sich mehrfach kritisch mit der RAF-Vergangenheit auseinandergesetzt. Er lehnt Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung ab.

Ungeklärte Fragen und Kontroversen

Viele Details rund um den Tod Ulrike Meinhofs bleiben unklar. Die Liste der bestätigten Fakten ist kurz, die der offenen Fragen lang.

Bestätigte Fakten

  • Ulrike Meinhof starb am 9. Mai 1976 in der JVA Stuttgart-Stammheim. SWR
  • Die offizielle Obduktion ergab Tod durch Erhängen. LeMO / HdG
  • Sie war Mitbegründerin der RAF. LeMO / HdG
  • Der Körper wurde mit einem Handtuchstrick am Fenstergitter aufgefunden. Zeitklicks
  • Die Gefängnisleitung bewertete den Tod als Selbstmord. LeMO / HdG
  • Nach dem Tod kam es in West-Berlin zu Protesten. LeMO / HdG

Ungeklärte Fragen

  • Ob der Tod ein Suizid oder eine Hinrichtung war, ist nicht abschließend geklärt.
  • Die genauen Umstände der Handlung (benutztes Handtuch, fehlende Ringe am Gitter) bleiben umstritten.
  • Ob ein kollektiver Suizid oder eine Mordaktion stattfand, ist offen.
  • Die frühe politische Einordnung noch vor Obduktionsende nährt Zweifel.
  • Internationale Untersuchungen kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Häufig gestellte Fragen

War Ulrike Meinhof mit Klaus Rainer Röhl verheiratet?

Ja, sie war von 1961 bis 1968 mit dem Journalisten Klaus Rainer Röhl verheiratet. Aus der Ehe gingen die Zwillingstöchter Bettina und Regine hervor.

Welche Ziele verfolgte die RAF?

Die RAF verfolgte eine revolutionäre linke Agenda. Sie wollte die Bundesrepublik durch bewaffneten Kampf destabilisieren und eine sozialistische Gesellschaft errichten.

Wie lange dauerte der Stammheim-Prozess?

Der Stammheim-Prozess begann 1975 und endete 1977. Er war einer der längsten und teuersten Strafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Wurde Ulrike Meinhof exhumiert?

Nein, eine Exhumierung fand nicht statt. Die sterblichen Überreste wurden 1976 eingeäschert und auf dem Friedhof in Berlin-Marienfelde beigesetzt.

Gibt es ein Museum zu Ulrike Meinhof?

Es gibt kein eigenes Museum. Die Geschichte der RAF und auch Meinhofs Leben werden in Ausstellungen wie der Gedenkstätte Deutsche Teilung und in Dokumentationszentren thematisiert.

Was geschah mit den Kindern von Ulrike Meinhof?

Die Zwillingstöchter Bettina und Regine kamen nach Meinhofs Tod zu Pflegeeltern. Sie leben heute zurückgezogen und geben kaum Interviews.

Warum wird die Todesnacht von Stammheim als Symbol für die RAF-Geschichte angesehen?

Die Todesnacht von Stammheim markiert das Ende der ersten RAF-Generation. Die ungeklärten Todesumstände und die Rolle des Staates machen sie zu einem Symbol für die Konflikte zwischen Staat und Terrorismus in den 1970er Jahren.

Zeitleiste der Ereignisse

  • 7. Oktober 1934 – Ulrike Meinhof wird in Oldenburg geboren.
  • 1960er-Jahre – Arbeit als Journalistin für konkret; zunehmend politisches Engagement.
  • Mai 1970 – Beteiligung an der Befreiung von Andreas Baader; Untergrund und Gründung der RAF.
  • 15. Juni 1972 – Festnahme von Ulrike Meinhof in Hannover.
  • 1975–1976 – Stammheim-Prozess gegen die RAF-Führung.
  • 9. Mai 1976 – Tod Ulrike Meinhofs in ihrer Zelle.
  • 18. Oktober 1977 – Todesnacht von Stammheim: Tod von Baader, Ensslin, Raspe; Überleben von Irmgard Möller.

Der Tod Ulrike Meinhofs bleibt ein ungelöstes Kapitel der deutschen Zeitgeschichte. Die Kontroversen zeigen, wie tief die Spaltung der Gesellschaft in den 1970er Jahren war. Das Fazit: Weder die offizielle Suizidthese noch die Mordtheorie konnten jemals zweifelsfrei bewiesen werden – die Frage nach der Wahrheit bleibt offen.